Brandenburgischer Baukulturpreis 2021

Amtsgericht Königs Wusterhausen

Amtsgericht Königs Wusterhausen
Fotografien: Maro Niemann + Walter Vielain
Amtsgericht Königs Wusterhausen
Verfasser: 
Architektur / Innenarchitektur: Abelmann Vielain Pock Architekten Partnerschaft mbB Architekten BDA, Berlin
Landschaftsarchitektur: Henningsen Landschaftsarchitekten PartG mbB, Berlin
Tragwerk: STB Sabotke – Timm & Partner Beratende Ingenieure VBI PartGmbB, Potsdam
TA: Kirchner Gebäudetechnik GmbH (HLS), Leipzig
ISR IB Schlegel+Reußwig GmbH (ELT + DV), Potsdam
Bauherr/in: 
Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen, Potsdam
Kommune: 
Stadt Königs Wusterhausen

Das Amtsgericht in Königs Wusterhausen ist eines der größten, erstinstanzlichen Gerichte im Land Brandenburg und damit ein besonderer, öffentlicher Ort mit Geschichte: 1894 wurde das Gebäudeensemble in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloß errichtet und dokumentiert so die Geschichte der Rechtsprechung aus dem Kaiserreich bis heute. Folgerichtig wurde das gesamte Ensemble als Denkmal erkannt und vor Beginn der Arbeiten an einem Erweiterungsbau unter Schutz gestellt.

Das erweiterte Ensemble des Amtsgerichtes Königs Wusterhausen steht in vielerlei Hinsicht für ein hohes Maß an Baukultur: neben der genannten Unterschutzstellung beeindruckt vor allem die Qualität der offensichtlich im Dialog zwischen Planenden, Bauherrschaft und Nutzern getroffenen Entscheidungen auf allen Ebenen.

Die sensible, städtebauliche Einpassung des großen Bauvolumens verzichtet auf jegliche ikonische Attitüde und bereichert den öffentlichen Raum durch eine sorgfältige Detaillierung der Fassaden. Die gut proportionierten und in Bezug auf die Repräsentation eines demokratischen Rechtsstaates sehr bewusst arrangierten neuen Räume lassen hochkomplexe und notwendige Sicherheitseinrichtungen dezent in den Hintergrund treten.

Gut platzierte Möblierungen unterstützen ein fein ausgewogenes Verhältnis von Vertraulichkeit und Öffentlichkeit in der Fügung der Räume. Nicht zuletzt baut die Materialwahl und die Behandlung der Oberflächen Bezüge zwischen Alt und Neu auf, ohne die Schichten der Geschichte zu verwischen.

Bei allen guten und richtigen Einzelentscheidungen ist es dennoch der ungemein stimmige Gesamteindruck, der einen großen Gewinn für den Ort und für das Land darstellt. Mit der Sanierung und Erweiterung des Amtsgerichtes ist ein Ensemble entstanden, dessen einziges Manko vielleicht darin besteht, dass man seine Vielschichtigkeit nur dann erfassen kann, wenn man das Gebäude gerade nicht anlässlich eines Gerichtsverfahrens aufsucht.

Die Jury verleiht der Sanierung und Erweiterung des Amtsgerichtes Königs Wusterhausen den Brandenburgischen Baukulturpreis 2021.