Nominierung im Rahmen der Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis 2019

„Sediment-Ferienloft“ Marienwerder

„Sediment-Ferienloft“ Marienwerder
„Sediment-Ferienloft“ Marienwerder
Verfasser: 
Architektur: Prof. Dipl.-Ing. Tillmann Wagner, Tillmann Wagner Architekten BDA, Berlin
Örtliche Bauleitung: Marion Freyberg
Tragwerk: fd-ingenieure, Berlin
Bauausführung: Maurermeister Ulrich Zurth, Zerpenschleuse
Bauherr/in: 
privat
Kommune: 
Gemeinde Marienwerder (Barnim)

„Das kleine Ferienloft entsteht aus der architektonischen Modulation des Themas einer steinernen Bank im Garten über das der sedimentartigen Baugrundschichtungen des Ortes im Schwemmland zwischen 3 Gewässern. Gebrauchte Ziegelsteine im Reichsformat sind als Leitmaterial des Ferienlofts Erinnerung an den Großvater des Bauherrn, aus dessen baufälliger Remise das Baumaterial selbst geerntet wurde...“ So schreibt der Architekt zum kleinen Bauwerk, ein „Einraum“, innen wie außen geprägt durch die Materialität der alten Ziegelsteine mit Zitaten der Mauerwerkstektonik einer vergangenen Zeit. Erst bei näherer Betrachtung erkennt man einen Neubau, da die dicken, einschaligen Mauern aus dem rechteckigen Bauvolumen herausgedrückt oder eingeknickt werden, gleichermaßen von der Innen- und Außenseite ablesbar. Die entstehenden Erker und Nischen schaffen Platz für Sitzbank, Dusche, Eingang, Wasserbecken. Selbst die Fenster sind hinter Mauerwerksgitter versteckt, die dafür geschaffenen kleinen Versatze in der gemauerten Wandfläche bilden eine subtile Modellierung der Außenwand. Es entsteht eine gemauerte Skulptur von großer Plastizität.

Im Einraum wird Wohnen mit höchster Raumeffizienz angeboten: Schlafnischen, Kochecke und Bad sind als Einbaumöbel aus Holzwerkstoffplatten konstruiert. Auch die Technik ist reduziert: ein alter Holzofen sorgt für Raum- und Kochwärme, das Regenwasser von den Dachflächen wird in ein kleines offenes Becken aufgesammelt.

Das Preisgericht würdigt insbesondere den gelungenen Umgang mit Mauerwerk und den Gesamtansatz des Entwurfs. Das „Sedimenthaus“ ist eine Studie in Suffizienz und ressourcenschonendes Bauen unter Einsatz der Wiederverwertung alter Werkstoffe – und damit ein gelungenes kleines Beispiel nachhaltiger Architektur.