Sonderpreis 2017

Neues Palais im Park Sanssouci

Bild: Architekt
Verfasser: 
Dr.-Ing. Christina Petersen, Dipl.-Ing. Knud Petersen Architekten Petersen Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Dr.-Ing. Wolf-Dietrich Krämer Ingenieurbüro Dr. Krämer GmbH, Weimar
BWE-Ingenieurgesellschaft mbH, Mittenwalde
Planung: Wandwerk Restaurierung, Berlin Ausführung: PIEPO Restaurierung GmbH, Hannover; Naturstein Potsdam GmbH, Potsdam; Dammann & Felsch Restaurierung GbR, Michendorf; Gramann & Schwieger GbR, Potsdam
Bauherr: 
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Potsdam
Kommune: 
Landeshauptstadt Potsdam

Das Neue Palais im Park Sanssouci ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Der Prunkbau Friedrichs des Großen zählt mit seiner bemerkenswerten Innenraumgestaltung kultur- und zivilisationsgeschichtlich zu den bedeutendsten Schlossanlagen der Welt. Wegen schwerwiegender Schäden an der historischen Holzdeckenkonstruktion mit einer Spannweite von über 18 m wurde eine technisch besonders anspruchsvolle Sanierung der barocken Deckenbereiche zwischen dem Marmorsaal und dem darunterliegenden Grottensaal erforderlich.

Nach aufwändiger Anamnese und Diagnose entwickelten die Tragwerksplaner ein Sanierungskonzept für die Holzdeckenkonstruktion, das die Erhaltung des wertvollen Fußbodens über der Decke und dem Grottensaal darunter möglich machte. Hier kamen auch Methoden der experimentellen Tragwerksanalyse zum Einsatz. In einer außergewöhnlichen ingenieurtechnischen Leistung wurden die Deckenbalken in einem schmalen Zwischenraum unter dem 90 t schweren Marmorfußboden saniert. Für die Baumaßnahmen wurde der Fußboden lediglich punktuell geöffnet. Eingriffe in die darunterliegende Grottensaaldecke mussten nicht vorgenommen werden. Mithilfe einer ausgeklügelten Stahlkonstruktion stellte man die Balken lastfrei und überwachte sie messtechnisch.

Unter räumlich extrem beengten Bedingungenwurden insbesondere die stark geschädigten Auflagerbereiche der Holzkonstruktion mit Hilfe von Prothesen behutsam ergänzt. Für die Verbindung von Altholz und Prothese gelangten eingeklebte Gewindestangen zum Einsatz, deren Leistungsfähigkeit im Versuch untersucht wurde. Für die Bauausführung mussten die Verhinderung von Staubentwicklung, die Vermeidung von Erschütterungen während der Baumaßnahmen und das Arbeiten in Schutzausrüstungen in kontaminierten
Bereichen bedacht werden. Die Instandsetzung des Marmorfußbodens und der Grottensaaldecke durch die Restauratoren erfolgte zur gleichen Zeit. Die Sanierung der geschädigten Decken wurde durch bauliche und organisatorische Maßnahmen ergänzt, um die Nutzung der beiden Säle und die Begehbarkeit für Besucher langfristig zu ermöglichen. Durch eine Glasbrücke, auf der die Besucher über den Saal geleitet werden, wird die Verkehrslast reduziert und gleichzeitig der Boden geschützt.

Diese außergewöhnliche ingenieurtechnische Leistung wird im Hinblick auf Anspruch und Methodik von Planung und Durchführung mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Insbesondere wird die tragwerksplanerische Lösung, die außergewöhnlich sensible Technik der Sanierung und die Qualität der Auseinandersetzung mit dem reichen, historischen Erbe der Kulturlandschaft Brandenburgs gewürdigt.