Brandenburgischer Baukulturpreis 2015

Kita Kinderland

Kita Kinderland, Ansicht vom Kirchplatz
Fotograf: Christian Richters
Kita Kinderland, Übergang Brücke
Verfasser: 
Dipl.-Ing. Timm Kleyer und Dipl.-Arch. Alexander Koblitz, kleyer.koblitz.letzel.freivogel gesellschaft von architekten mbH, Berlin
Bauherr: 
Stadt Wittstock/ Dosse
Kommune: 
Stadt Wittstock/ Dosse

Den Kindern gehört die Zukunft der Stadt. Eine neue Kindertagesstätte in die historische Innenstadt von Wittstock einzufügen, ist ein wichtiger Schritt für die Stadtentwicklung. In Wittstock wird die Stadt seid Langem im historischen Bestand weiterentwickelt. Zwei denkmalgeschützte ehemaliger Schulen, die Jungen- und die ehemalige Mädchenschule von 1850 bzw.1890 baute man zur Kindertagesstätte um. Wichtige Voraussetzung für das Funktionieren der Nutzung ist die Verbindung zwischen beiden Schulbauten, die durch die Küsterstraße, einem alten Weg und wichtiger Blickachse zur Kirche, getrennt werden. Im Ergebnis eines konkurrierenden Gutachter Verfahrens zwischen drei Architekturbüros entstand das hier gewürdigte Projekt. Anstelle eines ursprünglich geplanten Verbindungsbaus errichtete man eine gläserne Brücke über die Küsterstraße hinweg. Für die notwendigen ergänzenden Flächen für Treppenhaus, Toiletten und Waschräume sowie einem Sozialraum wurde ein Neubau entwickelt. Damit konnten eingreifende Veränderungen bei den beiden Denkmalen vermieden werden.
Der Neubau verlängert die Bauflucht der beiden bestehenden Schulbauten und gibt dem Kirchplatz damit eine verbesserte Raumfassung. Größe und Dachneigung fügen sich angenehm in den städtischen Raum ein. Mit der Verwendung des Mauerziegels, der auch schon bei den Denkmalen vorkommt, ein Egernsunder Backstein, passt sich der neue Bau harmonisch in die
Baugruppe ein. Die baulichen Details weisen ihn deutlich als zeitgemäße Zutat im städtebaulichen Bild aus. Hier ist besonders die Gestaltung der Straßenfassade zu erwähnen. Läuferschichten sind um die Breite eines Binders gegeneinander versetzt vermauert worden. Durch die dahinterliegende fast hausbreite Glasfassade entsteht eine über die Etagen versetzte diaphane Wand.

Die herausragende Qualität des kleinen Neubaus wird durch das Maß und die Baukörperproportionen, die Gliederung der Fassadenflächen sowie die differenzierte Verwendung des Ziegelmauerwerkes, geprägt. Selbstbewusst wird mit der Gebäudegestalt der deutliche Bezug zur Entstehungszeit hergestellt, ohne die historischen Baukörper in Frage zu stellen. Auch den Kindern kann hier, durch selbstverständliche Inbesitznahme und aktive Wahrnehmung einer Verbindung zwischen Alt und Neu, schon Baukultur vermittelt werden. Der Stadt Wittstock ist es beispielhaft gelungen, zweckmäßiges und qualitativ anspruchsvolles Bauen im historischen Kontext umzusetzen. Das ist vorbildlich.

Die Jury hat sich daher einstimmig entschlossen, den Bauherrn, die Architekten und die beteiligten Fachplaner mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis 2015 auszuzeichnen.