Nominierung im Rahmen des Baukulturpreises 2015

Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Haus 1

Bilder: Architekt
Verfasser: 
Prof. Dipl.-Ing. Renate Abelmann, Dipl.-Ing. Walter Vielain, Dipl.-Ing. Clemens Pock, Berlin, Abelmann Vielain Pock Architekten BDA
Tragwerksplanung: STB Sabotke Timm & Partner, Beratende Ingenieure VBI PartGmbB, Potsdam
Bauherr: 
Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen
Kommune: 
Stadt Eberswalde

Der Wettbewerbsbeitrag bezieht sich auf das gesamte Haus 1, bestehend aus einem denkmalgeschützten Altbau und einem ergänzenden Neubau. Die Jury hat sich entschieden, den Anbau für den Baukulturpreis 2015 zu nominieren, da dieser moderne Holzbau als eine außergewöhnliche Leistung bewertet wurde. Gerahmt von zwei modernen Herzog & de Meuron Gebäuden – der Mensa und der Bibliothek – bildet das denkmalgeschützte Gebäude Haus 1 mit dem neuen Anbau den nördlichen Abschluss des Stadtcampus der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Der viergeschossige Neubau nimmt die Gebäudefluchten, Trauf- und Gebäudehöhen des Altbaus auf, ist aber durch seinen schlichten kubischen Baukörper und die Holzschindelfassade klar erkennbar, ohne zu dominieren.Der Hörsaalanbau ist zur Campusmitteausgerichtet, im Erdgeschoss befindet sich ein Multifunktionsraum für Seminare und Veranstaltungen, im ersten und zweiten Obergeschoss befindet sich das neue Audimax und in der vierten Ebene schließen sich moderne Büros mit großzügigem Foyer an.

Die HNEE versteht sich als einzige Hochschule Deutschlands, die sich in Lehre und Forschung, aber auch im internen Handeln der Nachhaltigkeit verschrieben hat und somit in dieser Hinsicht besonders modern und vorbildlich sein will. 185 Jahre nach ihrer Gründung als Forstakademie ist der ressourcenschonende Umgang mit Holz nach wie vor ein Kernthema. Insoweit sollte der Anbau Vorbild für modernes, nachhaltiges Bauen und – wenig verwunderlich – in Holz sein. Entstanden ist ein Gebäude, dessen Tragkonstruktion– abgesehen von der Gründung – zu fast 100 % aus sichtbarem Holz besteht. Es zeigt, dass mit moderner, präziser Abbundtechnik im Holzbau außergewöhnliche Montagesysteme in Sichtqualität möglich sind. Wände und Deckenplatten sind aus massiven Brettsperrholzdeckenplatten hergestellt, Balken als Brettschichtholzträger ausgeführt. Im Dozentenbereich des Hörsaals befindet sich eine Brettsperrholz-Beton-Verbunddecke. Die geschraubten oder eingeklebten Verbindungs- und
Verankerungselemente sind – soweit nicht durch ein geschicktes, präzise gefertigtes Stecksystem überflüssig – weitgehend unsichtbar integriert. Da die Holzkonstruktion sichtbar und nicht verkleidet ist, wurde über eine Abbrandrate von 0,7 mm/min eine Brandschutzqualität F60-B erreicht.

Darüber hinaus gehende Anforderungen der BbgBO konnten durch ein optimiertes Fluchtwegekonzept und eine besondere Brandmeldeanlage kompensiert werden. Die optisch abwechslungsreiche Fassade besteht aus kleinteiligen Zedernholzschindeln, die mit einem pigmentierten Vorvergrauungsanstrich versehen wurden. Beeindruckt hat die Jury die konsequente Durchbildung als sichtbare, scheinbar verbindungsmittelfreie Holzkonstruktion, die die Möglichkeiten moderner Fertigungsverfahren massiver Holzelemente ausnutzt, Holzbau in hoher Präzision und Oberflächenqualität ermöglicht und damit neuen Bauaufgaben zugänglich macht. Es bleibt zu hoffen, dass diese Qualitäten auch von den Studenten und Dozenten auf Dauer geschätzt werden und so das erwartete gute Raumklima das Hochschulklima befruchtet und dem Vorbildanspruch der HNEE gerecht wird.