Nominierung im Rahmen des Baukulturpreises 2015

Haus Wandlitz - ein Wohnmöbel in Holzbauweise

Bilder: Karel Kühne | 2D+ Architekten
Verfasser: 
M. Arch. Markus Bonauer, Dipl.-Ing. Michael Bölling, M. Arch. Tiffany Taraska, Berlin, 2D+ Architekten
Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Hörnicke-Hock-Thieroff, Berlin
Bauherr: 
Anja und Falko Drews
Kommune: 
Stadt Wandlitz

Das „Möbel“ steht in Wandlitz auf einem Datschengrundstück von 370 qm so platziert, dass dem Betrachter das Gefühl eines Hauses in der Landschaft vermittelt wird. Zum Bestand des Grundstück gehören Bonsaiartig beschnittene Bäume, die durch Ihre miniaturhafte Erscheinung dem Vorfeld des Hauses eine zusätzliche Großzügigkeit verleihen. Auf der Rückseite des Hauses sind die 3 m Abstandsfläche zum Nachbarn wie ein japanischer Garten, jedoch mit ortsüblichen Pflanzen – Kiefern, Topfpflanzen, Moos in gewaschenem Kies – gestaltet. Das Haus ist, bis auf einen Kernbereich beidseitig verglast. Diese Durchlässigkeit lässt den Garten zum Bestandteil des Wohnbereiches werden.
Den optischen und funktionalen Übergang von innen und außen bildet eine Veranda, die sich im Süden über die gesamte Länge des Hauses erstreckt und das Haus als übergroßen Rahmen umfasst. Da sich die Verglasung durch Schiebeelemente auf der gesamten Länge des Wohnbereiches öffnen lässt, erstreckt sich der Garten ins Haus und der Wohnbereich in den Garten.

Das Haus ist mit seinen 78 qm Wohnfläche ein Platzwunder. Küche, Essplatz und Wohnfläche bilden einen Raum, der durch seine Möblierung funktional zoniert ist, sich über den marmorierten Bodenbelag aus Stein und die abgehängte Holzdecke aus weiß gekälktem Lärchenholz mit der integrierten Beleuchtung als Einheit generiert. Getrennt durch einen eher geschlossenen Spa-Bereich mit Sauna, Whirlpool, Dusche, WC und Doppelwaschtisch, befindet sich der Schlafraum am anderen Ende des Gebäudes. Durch große, geschosshohe Glaselement erweitert sich auch dieser Raum in die beidseitig orientierten Gärten.

Das Innere des Hauses besticht durch die geschlossenen Oberflächen aus gekälktem Lärchenholz, die alles verdecken, was den Blick in den Garten ablenken könnte. Ob Küchenschränke, Kleiderschränke, Speisekammer oder Badutensilien, alles verbirgt sich hinter den Holzflächen. Im Wissen um die Stauräume hinter den Holzflächen erscheint das Haus wie ein großes Möbel – wie die Arbeit eines Schreiners. Das Innere des Hauses besticht gerade durch die Präzesion der Holzverarbeitung.
Die Primärkonstruktion ist eine Holzständerbauweise. Die großen Öffnungen werden mit nicht sichtbaren Stahlträgern überbrückt. Zwei dünne Stützen aus quadratischen Stahlrohrprofilen haben die Jury etwas irritiert. Sie erscheinen konstruktiv nicht zwingend notwendig und stören durch ihre Materialität die puristische Holzarchitektur.

Das Haus vermittelt der Jury, dass die Bauherren mit den Planern und den ausführenden Firmen in hervorragender Weise zusammen gearbeitet haben. Die funktionalen Ansprüche der Bauherren, die ästhetischen Konzepte des Architekten und die präzisen handwerklichen Ausführungen machen aus Gebäude und Garten ein kleines Gesamtkunstwerk.