Do, 08. Juni 2017

Aktuell im Interview: Katja Melan, Architektin und neue Vizepräsidentin

Ich will die Kammer nach innen stärken
Mit der neuen Vizepräsidentin Katja Melan sprach Reinhard Jung.

BU: Katja Melan war zehn Jahre Mitglied der Vertreterversammlung, bevor sie am 22. April 2017 zur Vizepräsidentin der Brandenburgischen Architektenkammer gewählt wurde. Die Architektin betreibt zusammen mit Dirk Bopst das Architekturbüro 3PO in Potsdam.

Jung: Aus der Vertreterversammlung gleich ins Präsidium – herzlichen Glückwunsch!

Melan: So kann es kommen. Einer der Vorzüge der Kammer, den ich sehr schätze und der mich vor Jah-ren motiviert hat, überhaupt ehrenamtlich tätig zu werden, ist die Tatsache, dass bei uns in Brandenburg die Strukturen überschaubar sind – man kennt sich oft persönlich und wenn jemand etwas bewegen will, hat er schnell ein Amt oder eine Aufgabe. Mit Christian Keller verbindet mich seit langem ein angenehmer Austausch in fachlichen und berufspolitischen Fragen, deshalb fiel es mir nicht schwer, ja zu sagen, als er mich fragte, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen könne. Dass die Vertreterversammlung mich dann mit großer Mehrheit gewählt hat, ist natürlich ein Vertrauensbeweis, über den ich mich sehr freue.

Jung: Wo möchten Sie als Vizepräsidentin Ihre Schwerpunkte setzen?

Melan: Mein Steckenpferd bei der Kammerarbeit war schon immer die Kommunikation nach innen. Ich finde es wichtig, unseren Mitgliedern den Mehrwert der Kammermitgliedschaft und die Möglichkeiten, die sie ihnen bietet, näher zu bringen. Sicher hat das etwas damit zu tun, wie ich die Kammer selbst erlebe: als Plattform, mit Kollegen Erfahrungen und Meinungen auszutauschen und sich für gemeinsame Interes-sen einzusetzen. Dass das Versorgungswerk eine in unserer Zeit vorteilhafte Form ist, seine Altersbezüge anzusparen, und dass diese untrennbar mit der Kammermitgliedschaft verbunden ist, ist bekannt. Mir geht es darum, die weniger bekannten Angebote der Kammer darüber hinaus zu vermitteln, berufsständische Arbeit offener zu machen, durchlässiger für Themen und Anregungen aus der Kollegenschaft. Unser neuer Webauftritt zum Beispiel bietet sich dafür an, Diskussionen in den Gremien mitgliederoffen zu präsentie-ren und dadurch Mitglieder einzubeziehen. Irgendwie gibt es noch zu viele Hürden ...

Jung: Wieso denn Hürden?

Melan: Am Ende sind es Hürden im Kopf ... ich höre immer wieder, um sich einzubringen, müsste man Mitglied der Vertreterversammlung sein. Das stimmt nicht: Gerade in den Ausschüssen wirken viele nicht gewählte Berufskollegen mit und auch sonst gibt es jede Menge Aktivitäten, für die kein Mandat erforder-lich ist, etwa den Tag der Architektur oder die Stadtentdecker oder unsere Architekturwerkstätten im länd-lichen Raum. Oder man organisiert einfach selber etwas, was einem in den Kopf kommt, wie den Architek-tinnen-Stammtisch, den Monika Remann und ich vor anderthalb Jahren ins Leben gerufen haben, weil wir zwanglos mit Kolleginnen ins Gespräch kommen wollten, die sich wie wir im Berufsalltag behaupten. Alle zwei Monate, nächstes Mal treffen wir uns zu einer Exkursion, die eine Landschaftsarchitektin vorbereitet hat. Die Kammer ist dafür das Netzwerk, sie hat die Kontakte, verteilt die Informationen.

Jung: Gleichzeitig haben Sie den Vorsitz im Ausschuss für Aus- und Fortbildung übernommen.

Melan: Das folgt logisch aus meinem Wunsch, die Kammer nach innen zu stärken, und das kann ich errei-chen, indem wir die Aus- und Fortbildung als zentrales Dienstleistungsangebot hilfreich und praxisnah weiterentwickeln. Über gestalterische Trends sind wir auch so bestens informiert, aber wehe, wenn wir bei unseren Projekten von bautechnischen oder rechtlichen Neuerungen überrascht werden oder als Büro be-triebswirtschaftlich nicht mithalten können. Ich kann allen nur raten, das halbjährliche Programm genau zu studieren. Es sind viele richtig gute Seminare dabei, die uns fit für die oftmals raue Berufswirklichkeit ma-chen. Außerdem tut es gut, mal aus dem Alltagstrott rauszukommen und neue Gedanken zu fassen. Die Pflichtfortbildung für Absolventen als Voraussetzung für die Eintragungsfähigkeit hat sich übrigens be-währt. Die Wege in den Beruf sind komplexer geworden durch die Aufgliederung in Bachelor- und Master-studiengänge sowie diverse Spezialisierungen. Wir informieren an der BTU Cottbus und demnächst auch an der FH Potsdam die Studierenden und ermutigen sie, nicht nur den Weg in die Arbeit, sondern auch den Weg in den Beruf gezielt zu planen. Und das am besten gleich gemeinsam mit der Architektenkam-mer, der sie einmal angehören werden.

Jung: Was wird aus Ihrer Aktivität im Denkmalpflege-Ausschuss?

Melan: Damit werde ich aufhören, leider – aber ich muss Abstriche machen, da mit der Präsidiumsarbeit viele zusätzliche Termine auf mich zukommen. Christian Keller hat ja bereits angekündigt, dass er bei der Vertretung der Kammer nach außen nicht so omnipräsent sein kann und will wie Bernhard Schuster – und auch auf seine Stellvertreter setzt. Aber da wird sich hoffentlich schnell ein engagierter Kollege als Ersatz für mich finden. Und das Thema Denkmalpflege beziehungsweise neues Bauen im Bestand, das mich nach wie vor fasziniert, bleibt mir in meiner praktischen Architektentätigkeit natürlich erhalten.