Do, 05. September 2019

3. Tag des nachhaltigen Planens und Bauens fand am 5.09.2019 statt - Hier erfahren Sie mehr dazu

3. Tag des nachhaltigen Planens und Bauens am 05.09.19 in der ILB Potsdam

Ganzheitliches Planen und Bauen

Der dritte Tag des Nachhaltigen Planens und Bauens fand wieder in der Investitionsbank des Landes Brandenburg am Potsdamer Hauptbahnhof statt. Im unteren Foyer zeigten wir die Ausstellung zum Bundeswettbewerb HolzbauPlus der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Eberswalde. Zahlreiche, für nachhaltiges Planen und Bauen beispielhafte Instandsetzungen, Modernisierungen und Neubauten konnten auf den 20 Plakaten bewundert werden.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Tillmann Stenger, Vorstandsvorsitzender der ILB, und Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung übernahm Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur das Rednerpult. Baukultur und Nachhaltigkeit, so der Titel seines hochkarätigen, einstündigen Vortrages. Er legte dar, dass anerkannte Baukultur per se nachhaltig ist, denn sonst ist sie keine gute Baukultur. Ebenso ist Nachhaltigkeit ohne Baukultur nicht möglich, das liegt schon allein an der herausragenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Relevanz unseres Siedlungs- und Bauwesens für unsere Erde. 

Der Begriff Ökologisches Bauen wurde Anfang der 80er Jahre geprägt und forderte schon damals von einer Verbrauchs- zu einer Kreislaufwirtschaft zu kommen. Einiges hat sich getan, dennoch ist die gesamte Wertschöpfungskette noch lange nicht nachhaltig. Wie kann dies von der Gesellschaft stärker in den Fokus genommen werden? Hierzu haben die Kulturminister*innen der europäischen Union 2018 vor dem Weltwirtschaftsgipfel die ‚Erklärung von Davos‘ unterzeichnet.

Ein Schlüsselbegriff ist Heimat, ein schillerndes Wort, das unleugbar mit Baukultur verbunden wird, denn auch „Flächenverbrauch ist Heimatverbrauch“. Daher ist im Sinne der Nachhaltigkeit eine Umbaukultur mit Partizipation und in hoher Qualität unerlässlich, denn wir haben fast überall ausreichend Flächen und Bauwerke im Bestand. Die Neuausweisung von Einfamilienhaus-Gebieten ist keine gute Baukultur. Umbaukultur ist auch das Vermeiden von Müll und das Wieder- oder Weiterverwenden von Bauwerken und Bauteilen, Holz eignet sich hierfür in ganz besonderer Weise.

Wer beim Planen und Bauen weiterdenkt, kommt von der Nachhaltigkeit zum Haus der Ganzheitlichkeit mit sozialer Teilhabe, ökologischer Nachhaltigkeit, ökonomischem Mehrwert, guter Planung und hoher Raumqualität. Das ist gute Baukultur. Ganzheitlichkeit betrifft die Landesplanung ebenso wie private und öffentliche Bauherren, Architekten und Ingenieure. Grafik (Größe: einspaltig)

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Kathrin Schneider, Reiner Nagel, Christian Keller, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer und Matthias Krebs, Präsident der Brandenburgischen Ingenieurkammer kamen die vielen Aspekte der Umsetzung des nachhaltigen Planens und Bauens und der Baukultur zur Sprache. Es wurde über den Neubaubedarf und Verkehrskonzepte, Innovationen und Regionalität, Wiederverwendung von Baumaterialien und die Entwicklung eines Narrativs gesprochen, nachhaltiges Handeln nicht als Verlust, sondern als Gewinn zu sehen. Die Moderation hatte Dr. Thomas Welter, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA) inne. Zahlreiche Publikumsbeiträge machten die einstündige Diskussion zu einer lebendigen Veranstaltung.

Nach einer Mittagspause mit Zeit zum ‚netzwerken‘ ging es in drei Foren:

Forum 1: Nachhaltigkeit in der Bauleitplanung

Rainer vom Lehn, Landschaftsarchitekt und Lehrbeauftragter stellte zunächst die ganze Bandbreite der Möglichkeiten in der Bauleitplanung vor. Qualifizierte und personell wie finanziell gut ausgestattete Kommunen sind Voraussetzung für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen in der Bauleitplanung. Andererseits ist sie Voraussetzung für nachhaltiges Bauen. Das Publikum aus Ministerien, Stadtverwaltungen und planenden Berufen diskutierte lebhaft unter der Moderation von Andreas Rieger, Vizepräsident der Brandenburgischen Architektenkammer. Es wurde deutlich, dass alle Planungsbeteiligte, Betroffene und die Öffentlichkeit nur in einem gemeinsamen Prozess zu nachhaltigen B-Plänen, V+E-Plänen und Satzungen kommen.

Forum 2: Bauen im Bestand mit nachwachsenden Rohstoffen
Monika Remann, Architektin – Agentur für nachhaltiges Bauen.

Vom Schweriner Architekturbüro und Bauunternehmen schelfbauhütte stellten Ulrich Bunnemann, Geschäftsführer und Philip Besemer, Projektleiter, die Sanierung des Sudhauses auf dem Gelände der „Alten Brauerei“ in Schwerin vor. Dieser Umbau nach umweltfreundlichen und energieeffizienten Maßstäben ist bei der diesjährigen Prämierung des Bundeswettbewerbs „HolzbauPlus“ als Gewinner in der Kategorie „Wohnungsbau – Bauen mit Bestand – Mehrfamilienhaus“ hervorgegangen. Außenwände und Dach des Betonhallenbaus von 1976 erhielten eine Strohdämmung, gehalten durch eigens entwickelte Strohanker. Mit dieser ökologischen Dämmung hat das Büro bereits weitreichende Erfahrungen beim Umbau im Bestand und auch beim Neubau.

Forum 3: Naturlösungen
Möglichkeiten für umweltbewusstes Bauen und gesunde Lebensräume
Stephan Thude, Dipl.-Gewi./HS-Bauingenieur

Moosbasierter Fassadenfilter zur Verbesserung der Luftqualität
Matthias Brox, Technischer Leiter Fa. Alsecco: Im Umgang mit der vorhandenen Luftverschmutzung müssen Ideen entwickelt werden, wie die Lebensqualität verbessert werden kann. Eine Idee wäre die Verbesserung der Luftqualität durch eine moosbasierte Bio-Tech-Fassade. Der Impulsvortrag beleuchtete Aufbau und Funktionalität des Systems, stellte die technischen Daten und die Leistungsfähigkeit dar und zeigte die Vorteile von Grünfassaden auf.

Biobasierte Beschichtungen in Innenräumen und innovative Brandschutzmittel
Referent: Wolfgang Hoffmann, Senior Markenmanager Fa. Caparol: Gerade für die Langlebigkeit und den Werterhalt von Hölzern spielen deren Schutz und regelmäßige
Pflege eine große Rolle. Zu diesem Zweck wurden hochwertige Lasuren und Holzöle entwickelt, die auf einem besonders nachhaltigen Rohstoff basieren: Der Impulsvortrag stellte die Eigenschaften der Leindotter-Pflanze und ihre Bedeutung auch an praktischen Beispielen vor.

Der Tag klang mit Gesprächen bei Kaffee und Kuchen aus.

Andreas Rieger, Vizepräsident der Brandenburgischen Architektenkammer