Nominierung im Rahmen der Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis 2013

Kammgarnspinnerei Brandenburg an der Havel

Kammgarnspinnerei Brandenburg an der Havel
Kammgarnspinnerei Brandenburg an der Havel
Verfasser: 
Dipl.-Ing. Detlev Delfs, Brandenburg an der Havel Architektur Kontor Detlev Delfs
Bauherr: 
LOFT-Bau GmbH
Vera Delfs
Kommune: 
Stadt Brandenburg an der Havel

Der Erhalt und die Weiternutzung bestehender Gebäude, die die Zeit- und somit die Bauschichten, aber auch die Nutzungsgeschichte zeigen und für nachkommende Generationen dokumentieren, ist unverzichtbar für die Identität unserer Städte und Dörfer. Über 115 Jahre wurden die Industriehallen auf dem sehr großen, zentrumsnah und unmittelbar am Havelufer gelegenen Gelände in Brandenburg als Kammgarnspinnerei genutzt, bevor sie ihre Nutzung verloren haben und die letzten 10 Jahre dem Vandalismus preisgegeben waren. Lassen sich Stockwerksfabriken für geänderte Nutzungen, z. B. Wohnen und Arbeiten relativ leicht nachnutzen, so ist dies bei Hallenbauten verständlicherweise schwieriger. Bedingt durch ihre Größe und Kubatur, schwierige Belichtungsverhältnisse und Tragkonstruktionen beschränkt sich ihre bauliche Zukunft üblicherweise auf reine Handels- oder Sportnutzungen. Um jedoch der Lage direkt an der Havel gerecht zu werden und einen belebten Beitrag zum nahen Stadtzentrum zu leisten, bot sich eine Wohnnutzung an, deren Realisierung zu erstaunlichen
 Ergebnissen geführt hat. „Wohnlofts“ – eigentlich Reihenhäuser mit Vorgarten und Havelterrassen mit
direktem Wasserzugang und Bootsanlegesteg sind in der ehemaligen Sheddachhalle entstanden, wie man sie sich schöner nicht vorstellen kann. Helle, lichtdurchflutete und großzügig ineinander übergehende Wohnräume auf verschiedenen Ebenen schöpfen die Raumpotenziale aus, die eine von oben belichtete Halle bietet. Ein Architekturbüro ist nun in der ehemaligen Werkstatthalle beheimatet, deren Geschichte an allen raumbildenden Elementen Wände, Decke, Fußboden erhalten und ablesbar ist. Die Außenräume zwischen den Gebäuden sind intensiv begrünte Räume geworden – der Erhalt des denkmalgeschützten Bodenbelags selbstverständlich gewesen. So kann er gelingen, dieser von allen gewünschte Dialog zwischen Alt und Neu zum Wohle unserer Städte.