Anerkennung im Rahmen der Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis 2009 Kategorie Bauen im Bestand und Denkmalpflege

DKW – Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus

DKW – Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus
DKW – Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus
Verfasser: 
Prof. Claus Anderhalten, Berlin Anderhalten Architekten
Bauherr: 
Stadt Cottbus
Kommune: 
Cottbus

Die Jury würdigt dabei zum einen den mutigen Entwurf des Architekten, der bei Wahrung der bestehenden Gebäudegruppierung bewusst eine eigene Sprache entwickelt. Die innere Struktur der ehemaligen Maschinen- und Umformerhalle wurde zugunsten eines Haus-in-Haus-Konzepts aufgegeben, um vom Bestand unabhängige neutrale Ausstellungs- und Hängeflächen sowie Voraussetzungen für ein konstantes Klima bei optimierter Belichtung zu schaffen. Gleichzeitig konnten wesentliche Teile der alten Schalterhalle mit ihren noch erhaltenen technischen
Details in das neue Konzept integriert werden. Der ursprüngliche Hof übernimmt in Form einer überdachten Eingangshalle die zentrale Erschließung des Museums. Zum anderen würdigt die Jury die Kompromissbereitschaft aller am Bau Beteiligten beim konfliktreichen Spagat zwischen Nutzungsanforderungen einerseits und Substanzerhalt andererseits. Die Herausforderung bestand maßgeblich darin, bei weitestgehender Wahrung der Identität des Gebäudes eine Museumsnutzung zu ermöglichen, die neuesten internationalen Standards entsprach. Dass dabei Teile der bestehenden Substanz aufgegeben werden mussten, ist schade, aber der Tatsache geschuldet, dass das geforderte Raumprogramm nur bedingt mit der gegebenen inneren Kraftwerksarchitektur korrelierte.

Das neu geschaffene „Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus“ überzeugt in vielerlei Hinsicht. In der äußeren Gestalt weitestgehend erhalten, präsentiert sich das Gebäude für Passanten und Besucher so, wie es sich seine Planer und Erbauer schon vor 80 Jahren vorgestellt hatten. Im Inneren ist die ursprüngliche Substanz nach wie vor erlebbar, das Baudenkmal „Dieselkraftwerk“ trat jedoch als dominierendes Element zurück. Dort, wo es nicht mehr gebraucht wurde, gab es den Platz frei für eine neue Struktur und Nutzung. Andernorts gibt es nach wie vor „den Ton an“ und ermöglicht so mit seinem neuen Partner einen lebendigen Dialog zwischen Alt und Neu. Das „Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus“ steht jedoch nicht nur für die geglückte Wiederbelebung einst toter Gemäuer eines alten Dieselkraftwerks. Es steht auch für die Revitalisierung eines aus städtebaulicher Sicht wertvollen Areals und den Erhalt eines maßgeblich die Identität dieses Gebietes prägenden Gebäudes. Und nicht zuletzt steht es für den Erhalt eines von seinem bauhistorischen Wert einzigartigen Gebäudes im Land Brandenburg. Beim „Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus“ überzeugt nicht nur das Ergebnis; zusammen mit dem nicht konfliktfreien aber letztlich fruchtbaren Entstehungsprozess steht es beispielhaft für gelebte und gelungene Baukultur im Land Brandenburg.