Brandenburgischer Architekturpreis 2007 für zukunftsfähiges Wohnen und Arbeiten

Technologiezentrum für Luft- und Raumfahrt Wildau

Technologiezentrum für Luft- und Raumfahrt Wildau
Technologiezentrum für Luft- und Raumfahrt Wildau
Verfasser: 
Dipl.-Ing. Georg Gewers
Prof. Dipl.-Ing. Swantje Kühn
Dipl.-Ing. Oliver Kühn, Gewers Kühn und Kühn, Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Bauherr: 
Regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald mbH
Kommune: 
Gemeinde Wildau

Die Arbeit ist eine der drei Projekte, die innerhalb des Themas „Zukunftsfähiges Wohnen und Arbeiten“ mit dem Brandenburgischen Architekturpreis ausgezeichnet wird. Die Jury ist der Auffassung, dass das Gebäude in außerordentlich überzeugender Weise die nutzungsspezifischen Inhalte widerspiegelt und damit den historischen Industriestandort der Maschinenbauindustrie des 20. Jahrhunderts (Produktion von Lokomotiven) ins 21. Jahrhundert leitet. Der Standort ist in den letzten 15 Jahren sukzessive durch neue Nutzungen überformt worden.
Den größten Flächenanteil hat die Fachhochschule Wildau. Das Nebeneinander von denkmalgeschützter
Bausubstanz in der Formensprache des ausklingenden 19. Jahrhunderts und neuer Architektur dokumentiert den Umbruch und prägt das Quartier. Das „Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ entspricht mit seinem von außen sichtbaren Gebäudevolumen durchaus den früheren Produktionsanlagen; die Erscheinungsform könnte jedoch nicht unterschiedlicher sein. Das Gebäude stellt sich nach außen als eine geschlossene Großform dar, obwohl es in zwei nutzungsspezifische Gebäudeteile unterteilt ist. Der dreigeschossige westliche Gebäudeteil enthält büroartige Arbeitsplätze in den beiden Obergeschossen; im Erdgeschoss befinden sich Werkstatträume. Dieser u-förmig angelegte Gebäudeteil bildet einen parkartigen Innenhof. Die östliche Begrenzung dieser Freifläche wird durch die großflächigen Gebäudeteile der Versuchsfelder und Laborbereiche gebildet. Kernstück des Versuchfeldes ist ein Gasturbinenverdichter mit dem Flugantriebsaggregate getestet werden. Ist der Büro- und Werkstatttrakt durch die Ganzglasfassade für alle Einblicke offen, so stellt sich das Versuchsfeld, zwar in der formalen Sprache der Glasfassade, eher geschlossen dar. Die Glashaut wechselt zu einer metallenen Oberfläche. Die liegenden Formate der Fassade, unterstützt durch die Schrägstellung und die durchlaufend horizontalen Verschattungselemente der
Westfassade, lassen das Gebäude als „schnelle“ Karosse wirken. Der technische Eindruck wird durch die unregelmäßig aus dem Versuchfeld heraustretenden, turmartigen Schallabsorbtionsanlagen der Turbinenprüfstände verstärkt. Hervorzuheben sind die Treppenanlagen im zweibündigen Büro- und Werkstatttrakt. Die gebogenen Treppenraumwände und die eingerundete zweiläufige Treppe bilden einen räumlichen Übergang von Innen und Außen, der die vertikale Erschließung – besonders im Haupttreppenhaus – zu einen besonderen Erlebnis werden lässt. Das Gebäude ist auch in seinen zahlreichen kleinen Detailausformungen beispielhaft.