Brandenburgischer Architekturpreis 2005 für zukunftsfähiges Wohnen und Arbeiten in der Stadt

Stadthaus in Senftenberg

Stadthaus in Senftenberg
Stadthaus in Senftenberg
Verfasser: 
Dipl.-Ing. Hendrik Just, Senftenberg
Bauherr: 
Franka Rolke
Kommune: 
Stadt Senftenberg

Die Bezeichnung " Stadthaus" ist nicht unbedingt zwingend für dieses Gebäude, zumal wenn man die zahlreichen Investorenburgen vor Augen hat, die als "Stadthäuser" auf dem Wohnungsmarkt bestehen sollen. Dieses kleine Gebäude erfüllt jedoch alle Kriterien, die einem "Stadthaus" zu eigen sein sollten. Die Bezeichnung "Atriumhaus" würde jedoch den Charakter des Hauses besser treffen.

Das bebaute Grundstück liegt im Sanierungsgebiet. Es wurde auf der Fläche eines Gebäudes errichtet, das im Zuge der Sanierung abgerissen werden musste. Die Architekten orientierten sich mit ihrer Neubaumaßnahme an der Kubatur und äußeren Form des Vorgängerbaus. Der straßenständige Gebäudeteil zur Töpfergasse tritt, obwohl er mit seinem Satteldach die historische Zeile in ihren Proportionen aufnimmt, dem Betrachter als Gegenwartsarchitektur entgegen. Eine Art Schaufenster öffnet dem Passanten den Blick in die Büroräume und darüber hinaus, wenn es der geöffnete Blend-/Sichtschutz zulässt, in die Tiefe des Grundstücks.

Im Gegensatz zu dem Büroeingang tritt der Eingang zu dem Wohntrakt in der Fassade zurück. Diese Differenzierung der Eingänge und Öffnungen, sowie eine gebäudehohe, rote Holzfläche, die unmissverständlich ein "historisches Tor" zitiert, verleihen der Fassade eine wohlproportionierte, zurückhaltende Plastizität.
Die Gebäudefläche wird mit der Straßenfassade, durch die angrenzenden Giebelflächen der Nachbarbebauung und einer rückseitigen Mauer mit einem Nebeneingang zum dahinter liegenden Grundstücksteil gebildet. Die Belichtung dieses nach außen doch eher geschlossenen Gebäudes wird über zwei vollständig verglaste Atrien gewährleistet.
Alle Nutzungen, bis auf die Nasszellen orientieren sich zu den Atrien. Im Zentrum des Hauses zwischen den Atrien befinden sich Küche und Essplatz. Über die Atrien entwickelt sich eine räumlich Vielfalt und eine Großzügigkeit, die man von außen nicht vermuten würde.

Das Satteldach bildet sich im Wohnbereich ab, über dem Büroteil bildet eine zweite Ebene im Dachraum eine offene Galerie zum Wohnbereich mit einem anschließenden Refugium im 1. Obergeschoss. Der rückwärtige eingeschossige Gebäudeteil wird in einem Teilbereich als Dachterrasse genutzt. Die offene innere Struktur des Gebäudes wird durch die Wahl der Stahl-Primärkonstruktion unterstützt. Auch die Materialwahl hat die Jury überzeugt. Die Estrich- und OSB-Böden, die uneingeschränkte Verwendung von Glas zu den Atrien und die wenigen eingestellten Wände aus Gipskarton erinnern an Industriebau. Die festen Einbauten, die Wahl der Möblierung und der unmittelbare Bezug zu den bepflanzten Atrien vermittelt einen individuellen aber uneingeschränkten Wohncharakter.

Nicht nur mit der Straßenfassade sondern auch mit dem Inneren des Hauses ist den Architekten ein herausragender Sanierungsbeitrag für das Stadtzentrum gelungen.