Anerkennung im Rahmen der Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Architekturpreis 2003 für zeitgenössische Ergänzung von Baudenkmalen

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Baracken 38 und 39

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Baracken 38 und 39
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Baracken 38 und 39
Verfasser: 
Dipl.-Ing. Wolfgang Braun
Dipl.-Ing. Stefan Dürr
Dipl.-Ing. Alina Bylica, Berlin
Bauherr: 
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Oranienburg
Kommune: 
Stadt Oranienburg

Die Baracken 38 und 39 waren Teil des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Bei der Errichtung der "Nationalen Mahn- und Gedenkstätte" 1961 wurden sie als "Museum der Leiden und des Widerstandskampfes des jüdischen Volkes" rekonstruiert. Im September 1992 vielen die Baracken einem antisemitisch motivierten Brandanschlag zum Opfer. Ein Flügel der Baracke 38 wurde dabei weitgehend zerstört. Die Baracken 38 und 39 wurden mit Ausnahme des zerstörten Bereichs mit hohem Aufwand saniert, Brandspuren wie abplatzende Farbreste oder Rauschwärzungen im Innenbereich dabei bewusst belassen. Die an Stelle des fast völlig zerstörten Flügel des Museums Baracke 38 in neuen Materialen ausgeführte Ergänzung nimmt nach Außen die schlichte Form des zerstörten Barackengebäudes auf. Im Innern wurde der Boden durchbrochen und der Raum um ein Kellergeschoss erweitert. Die verbliebene stark geschädigte sich noch selbst tragende Substanz fand nach Konservierung Schutz vor weiterer Zerstörung unter einer transparenten Glaskonstruktion. Diese markiert einen Teil der Geschichte des Ortes, nämlich den Brandanschlag von 1992, und integriert ihn als Exponat in die Ausstellung. Das Museum zeigt das Leben und Sterben jüdischer Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen, aber auch die Geschichte des Ortes von 1938 bis heute.

Der unaufdringlich und angemessen zurückhaltende Umgang mit der zeugnisreichen Substanz an einem nicht vergleichbaren Ort hat die Jury überzeugt, das Projekt Baracke 38 und 39 in der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen auszuzeichnen.