Brandenburgischer Architekturpreis 2003 für die zeitgenössische Ergänzung von Baudenkmalen

OSZ I Potsdam, Jägerallee 23, Potsdam

OSZ I Potsdam, Jägerallee 23, Potsdam
OSZ I Potsdam, Jägerallee 23, Potsdam
Verfasser: 
Prof. Erich Schneider-Wessling, Köln
Bauherr: 
Stadt Potsdam, vertreten durch den Fachbereich Gebäude- und Liegenschaftsmanagement in der Stadtverwaltung Potsdam
Kommune: 
Stadt Potsdam

Als Standort für das OSZ wurde der geschlossene Hofbereich der Garde-Ulanen-Kaserne mit den zwei Reithallen und den in einem Karree umlaufenden Pferdeställen zur schulischen Nutzung entwickelt. Das Raumprogramm ist, bezogen auf die genutzte Altbausubstanz, zu groß. Ergänzende Flächen wurden somit notwendig. Die Entscheidung, die Minus-Ebene des Hofes für Fachräume und die ehemals nicht genutzten Dachräume für allgemeine Unterrichtsräume zu nutzen, wertet die Jury positiv. Durch die eingeschossig abgesenkte Hoffläche besteht die Möglichkeit, den Hof in zwei Ebenen diagonal und axial zu queren. Diese bauliche Ergänzung ermöglicht in dem weiterhin offenen Innenhof relativ kurze Wege. Auch der Ausbau des Dachgeschosses trägt zu einer kompakteren Lösung bei, als dies in einer zweigeschossigen Anlage möglich gewesen wäre. Das Anheben der Traufe im Hof, die zur Belichtung der Dachräume dient, beurteilt die Jury nicht nur unter nutzungsspezifischen sondern auch unter ästhetischen Gesichtspunkten, als gelungen. Im Zusammenspiel mit den neu geschaffenen
Öffnungen im Erdgeschoss entsteht eine ausgewogene Fassadenkomposition, die die Nutzungsänderung deutlich lesbar macht. Als besonders gelungen bewertet die Jury die Eingriffe des Tragwerksplaners in die historische Substanz. Die sichtbare Ertüchtigung der Polonceau-Träger mit beigefügten Seilen (Zugstäben) in den ehemaligen Reithallen hinterlassen beim Betrachter den Eindruck, als wenn sie schon immer dort gewesen wären. Der Erhalt der Gewölbe war bei der Erhöhung der Verkehrslasten nur möglich, in dem vorgespannte Stahlbetondecken die Lasten direkt in die Außenwände einleiten. Auch der Erhalt nutzungsspezifischer Details, wie Tränken, Tröge,
Boxenpfosten, Öffnungsschieber für hoch liegende Fenster, usw. trägt zu dem überzeugenden, architektonischen Gesamteindruck des Oberstufenzentrums bei.